Das Geburtshaus von Egon Schiele in Tulln

Am 15. Juni 2013 wurde das Geburtshaus des österreichischen Künstlers Egon Schiele (1890-1918) feierlich in Tulln eröffnet. Erstmals sind die neugestalteten Räumlichkeiten für BesucherInnen geöffnet und bieten authentische Einblicke in die bewegende Kindheit dieses Ausnahmekünstlers. Als Sohn des Bahnhofsvorstands Adolf Schiele lebt Egon Schiele ab 1890 mehr als ein Jahrzehnt in Tulln und wird durch die Erlebnisse in seiner Kindheit und die gesellschaftlichen und familiären Rahmenbedingungen maßgeblich in seinem künstlerischen Schaffen geprägt.

Egon Schiele stammt aus einer Eisenbahnerfamilie und verbringt mehr als ein Drittel seines Lebens in der väterlichen Wohnung am Tullner Bahnhof. Schiele wird als drittes Kind von Adolf und Marie Schiele am 12. Juni 1890 geboren und verbringt eine unbeschwerte Kindheit als Sohn des Bahnhofsvorstandes. In Tulln erlebt der junge Schiele in ungeahnter Intensität das neue Phänomen der Mobilität, seine frühen Kindheitszeichnungen zeugen von großem Interesse an der Bahn. Diese Offenheit und das Interesse gegenüber moderner Technik und Fortschritt waren gute Startbedingungen für einen zukünftigen Vertreter der künstlerischen Avantgarde. Als Schiele seine Gymnasialzeit in Krems und Klosterneuburg beginnt und zu einer großen Künstlerkarriere nach Wien aufbricht, nimmt er die prägenden Erlebnisse seiner Kindheit auf seinen Lebensweg mit.

Die einzelnen Räume der Bahnhofswohnung erzählen mittels eines modernen Audio-Systems via Soundduschen zahl-reiche Geschichten über Aufstieg und Fall der Familie Schiele. Die Texte stammen von Egon Schiele selbst, seinen Schwestern Gertrud und Melanie, seiner Mutter Marie und Zeitzeugen. Das Gestaltungskonzept vermeidet eine authen-tische Rekonstruktion, indem die Möbel hellgrau lackiert wurden. Dennoch wird der Charakter einer bürgerlichen Wohnung vermittelt und das unmittelbare Lebensgefühl dieser Zeit spürbar gemacht. Ein interaktiver Reflexionsraum am Ende des Rundgangs bietet die Möglichkeit mehr über die Lebens- und Wohnaspekte der Familie Schiele und der Stadt Tulln an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu erfahren. Der Rundgang wurde von dem Schiele-Experten Christian Bauer in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsteam toikoi konzipiert und gestaltet.

Neben dem Geburtshaus begegnet man dem berühmtesten Sohn Tullns auch noch im Egon Schiele Museum. Das Museum vereint seit 1990 rund 60 Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen aus den ersten Schaffensphasen Schieles – von seiner Kindheit in Tulln über die Gymnasialzeit in Klosterneuburg bis zum Akademie-Studium in Wien und der Gründung der Neukunstgruppe des Jahres 1909. Ab 2014 werden diese beiden Orte um den Schiele - Weg erweitert.

Egon Schiele (1890-1918) zählt neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne. Geboren wurde er am 12. Juni 1890 im Bahnhof Tulln an der Donau. Schon der Zehnjährige sticht durch seine künstlerische Begabung hervor. Egon Schiele erliegt am 30.10.1918, gerade einmal 28-jährig, der „spanischen Grippe“. Sein Schaffen zählt zu dieser Zeit bereits weit mehr als 3.000 Kunstwerke. Seine am Sterbebett geäußerte Überzeugung, die Bilder würden später in allen großen Museen der Welt hängen, sollte sich in beeindruckender Weise bewahrheiten.

Schiele Geburtshaus

wahrheiten.