"Tulln ist uns Heimat geblieben"

17. Jan. 2019

Das Tullner Neujahrstreffen feierte mit knapp 900 (!) Besuchern heute ein rundes Jubiläum – es war das 10te! Das bedeutet: Als das erste Neujahrstreffen stattfand, war Barack Obama erst im zweiten Jahr seiner Präsidentschaft, die Engländer kannten noch lange keinen Brexit, in Syrien tobte kein Bürgerkrieg und das Tablet war noch gar nicht auf dem Markt.

Seither, in einem knappen Jahrzehnt, hat sich die Welt ungemein verändert und setzt diese Entwicklung rasant fort. Aber Tulln ist für viele und für mich immer Heimat geblieben, also ein Platz, an dem man gerne lebt. Dadurch zeigt sich einmal mehr, wie wichtig diese Stadt für uns ist, wie uns Tulln auch persönlich stärkt, während sich rundherum vieles ändert.

Selbstverständlich gibt es auch Dinge, die sich in den letzten Jahren zum Besseren gewandt – in der Wirtschaft, in der Medizin und ja selbst in der Politik: In Niederösterreich hat sich das politische Klima in Niederösterreich verbessert. Auch in Tulln gibt weniger Streit zwischen den Fraktionen und ich hoffe, dass wir dieses Konsensuale auch im neuen Jahr in den Vordergrund stellen können. Ich bin davon überzeugt, im gemeinsamen Diskurs liegt die entscheidende Kraft.

In Tulln sind die Zeiten für Harmonie nicht nur im politischen Bereich besser als früher: So gab es im Jahr 2010 bei uns nur 137 Trauungen, im vergangenen Jahr waren es rekordverdächtige 216.

Am Beginn dieses Jahrzehnts war die Stadtgemeinde eine attraktive aber auch wild zersauste Braut, denn die Kassen waren leer. Wir benötigten damals einen Überbrückungskredit in Höhe von 10 Millionen Euro, um zahlungsfähig zu bleiben. Dieser ist inzwischen zurückbezahlt und mehr noch: Das Tullner Budget bietet wieder Möglichkeiten für neue Projekt und für neue Dynamik.

Wobei unsere Stadt selbst in den vergangenen Zeiten knapper Ressourcen über sich hinausgewachsen ist. Ich denke dabei an das Danubium, an das neue Hallenbad, an die zusätzlich Dreifachturnhalle beim Bundesschulzentrentum, an den Ausbau des Campus, an das neue Brunnenfeld, an den Bahnlärmschutz und an das neue Innenstadthotel.

Besonders hervoreben möchte ich auch die Tullner Messe. Diese war 2010 gefährlich hoch überschuldet, heute ist das Unternehmen schuldenfrei obwohl es mittlerweile die größten Messehalle NÖ errichtet hat. Der nächste Bau – der Ersatz für die derzeitigen Donauhalle – ist bereits in Planung und finanziert.

Ich schließe die Betrachtungen der außergewöhnlichen Veränderungen des gesamten Jahrzehnts mit dem Bahnhof Tullnerfeld, der zwar nicht auf Tullner Gebiet liegt, aber für uns eine große Bedeutung hat. Wir können uns nach wie vor freuen, dass wir damals – unter anderem gemeinsam mit Präsident Riedl und anderen Bürgermeistern der Region – erfolgreich auf die Barrikaden gestiegen sind, als die Pläne publik wurden, dass überregionale Züge nicht halten sollen.

Ich darf nochmals wiederholen: Seit dem ersten Neujahrstreffen hat sich auf der Welt unheimlich viel getan. Aber in all diesen Phasen ist eines gleich geblieben: Die Stadt Tulln war für uns Heimat. Das definiert auch schon unsere wichtigste Aufgabe, die wir haben. In einer sich mit hohen Tempo verändernden Welt eine Stadt zu gestalten, damit sie für die Bewohner Heimat bleibt. Deshalb haben wir uns für 2019 unter anderem folgendes vorgenommen:

  • Die Kindergärten am Zeiselweg und in Neuaigen werden fertiggestellt und im Herbst eröffnet.

  • Die konkreten Planungen für den Ausbau der Volksschule in der Kirchengasse beginnen, damit im Schuljahr 2021/22 genügend Räume zur Verfügung stehen.

  • Über die Zukunft der Sonderschule werden wir eine Entscheidung herbeiführen, die zu einem Neubau führen könnte.

  • Der Florahofsaal wird renoviert und im Herbst eröffnet.

  • Das Jugendzentrum in Langenlebarn wird erneuert

  • Das virtuelle Heimatmuseum geht im Herbst online.

  • Das Gemeindestraßenbudget wird etwas erhöht – die umfangreichsten Arbeiten werden in der Grottenthal- und Lerchengasse sowie in der Schefzikstraße stattfinden.

  • Radwege werden gebaut zum neuen Kino, zum neuen Kindergarten am Zeiselweg und eine Streckenabschnitt zur besseren Fahrradanbindung an den Bahnhof Tullnerfeld.

  • Das letzte Teilstück der Picknickwiese an der Donaulände wird errichtet.

  • Mit Tom Jones und anderen spannenden Künstlern werden wir 20 Jahre Donaubühne feiern.

  • Das Aubad erhält mehrere Attraktionen, unter anderen neue Rutschen.

  • Die Trinkwasserversorgung wird weiter ausgebaut, sodass auch die Marktgemeinde Tulbing beliefert werden kann.

  • Kanäle werden erweitert, damit diese für extreme Starkregen wie im vergangen Sommer ausreichen.

  • Die Feuerwehr Tulln erhält ein neues Fahrzeug.

  • Die Restaurierung der Kapelle in Staasdorf wird abgschlossen, falls sie die Mauern trocken werden.

  • Die größte gemeindeeigene Photovoltaikanlage Österreichs wird erweitert und zwar auf den Dächern der Messe und auf den beiden neuen Kindergärten.

  • Wir werden die Käufer des Goldmannareals, die durch die Unterstützung der Stadt nach Tulln gefunden haben, weiter begleiten.

  • Beim Frankhaus sind wir zuversichtlich, dass wir im Jahr 2019 die entscheidende Wende schaffen.

  • Unsere Initiative „Stadt des Miteinanders“ wird strategisch und durch konkrete Projekte weiterentwickelt, denn ob es Menschen gut geht oder nicht, hängt stark davon ob, in welcher Gemeinschaft sie leben.

Soweit einige konkrete Vorhaben des Jahres 2019, unsere Planungen müssen aber darüber hinaus gehen. Dazu zählt unser Ziel, dass Tulln in ganz Österreich als die „Gartenhauptstadt“ erkannt wird. So ein positives Image hätte viele Vorteile: Investoren werden auf unsere Stadt verstärkt aufmerksam, die bestehende Tullner Wirtschaft profitiert durch eine höhere Besucherfrequenz, was 2018 bei Green Art zu beobachten war, und für alle Bewohner wird die Stadt noch schöner und lebenswerter. Dafür werden wir in den nächsten Jahren viel Geld in unsere Gärten sowie in eine langfristige Marken- und Marketingstrategie investieren.

Das anspruchsvollste Instrument der langfristigen Planung einer Stadtgemeinde ist das sogenannte Stadtentwicklungskonzept. Dieses wird nur alle 15 bis 20 Jahre erstellt, das letzte stammt aus dem Jahr 2001. Spätestens im heurigen Herbst wollen wir ein neues vorlegen, selbstverständlich mit Inputs aller politischer Parteien und von interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Bislang beschäftigten sich Stadtentwicklungskonzept hauptsächlich mit Flächenwidmungsfragen. Um nicht grob fahrlässig zu handeln, wenn wir diesmal Bereiche Umwelt- und Klimaschutz sowie die Digitalisierung genauso prominent behandeln.

 

 

Zur Umwelt eine kleines Zahlenspiel: Vor zehn Jahren betrug die durchschnittliche Tagestemperatur in Tulln 10,7 Grad, im vergangenen Jahr waren es 11,9 Grad. D.h. in Summe war es 2018 in Tulln um 438 Grad wärmer. Ich weiß schon, jeder Vergleich hat Schwächen, dennoch ist es eine bittere Realität, dass der Klimawandel mit seinen dramatischen, im Grunde genommen apokalyptischen Folgen, die größte Herausforderung unserer Zeit ist. Jedes Land und jede Kommune, die Pflicht, für unsere Kinder und für deren Kindern, rational klimapolitisch generationenübergreifend zu handeln, selbst wenn es kurzfristig unbequem, unpopulär und teuer ist. Wir in Tulln werden nicht aufhören voran zu gehen, obwohl wir für unsere Umweltaktivitäten bereits mehrfach ausgezeichnet wurden.

Die Digitalisierung ist das zweite allgegenwärtige Thema unserer Zeit. Jedoch welche Veränderungen wird sie konkret für Tulln bringen? Experten arbeiten bereits an Antworten. Denn Tulln ist die erste Stadt in NÖN die einen für sich maßgeschneiderte Handlungskatalog in Auftrag gegeben hat. Und das Land NÖ errichtet - nicht zufällig - in Tulln das Haus der Digitalisierung.

Der dritte wesentliche Punkt des Stadtentwicklungskonzeptes wird sich natürlich mit der Flächenwidmung und damit mit dem Bevölkerungswachstum beschäftigen, dessen Tempo wir weiterhin drosseln müssen, um keine anonyme Stadt zu werden.

Seit dem Jahr 2010 ist die Bevölkerung Tullns rund um 1500 Personen gewachsen. Hätten wir uns damals nicht das Motto „Langsamer wachsen“ vorgenommen und konsequent verfolgt, wäre diese Zahl wesentlich höher. Allein im vergangenen Herbst schlugen mir Bauträger den Bau von weiteren 300 neuen, keineswegs billigen, Wohnungen vor. Es bleibt dabei, Widmungen für Bauprojekte werden restriktiv behandelt, sodass 2019 die beiden einzigen größeren Wohnbauanlagen in Langenlebarn in der St. Helenagasse sowie in Tulln in der Staasdorferstraße sein werden.

Tulln ist sehr attraktiv, Zuzug ist ja nichts anders als der Beweis, dass es bei uns gut ist. Aber der Zuzug stellt uns nicht nur vor infrastrukturelle Herausforderungen. Es geht insbesondere darum, dass Tulln überschaubar bleibt, ein Ort an dem man sich kennt, wo es Solidarität, Hilfe und Partnerschaft gibt.

Für kleinere Orte ist es leicht, persönlich zu bleiben. Es ist jedoch schwierig, wenn eine Stadt relativ groß und dynamisch ist wie Tulln. Wir werden unser intaktes Gemeinwesen mit den vielen Vereinen bewahren und mit der Initiative „Stadt des Miteinanders“ stärken. Wir werden damit die bestehenden Bindungen vertiefen und die neue Nachbarn einbeziehen. Sodass wir auch beim 20en Neujahrstreffen sagen können: „Die Welt hat sich verändert, aber Tulln ist uns Heimat geblieben.“