Nachlese zum Neujahrsemfpang 2010
20. Jan. 2010

Sehr geehrter Herr Pfarrer,
sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter,
sehr geehrter Herr Bezirkshauptmann,
sehr geehrte Tullner Bürgermeister außer Dienst, lieber Willi Stift, lieber Edwin Pircher,
geschätzte Bürgermeisterkollegen der Gemeinden des Bezirks,
liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates, geschätzte Ehrengäste,
meine sehr geehrten Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der gesamten Stadtgemeinde Tulln,
herzlich willkommen zu Ihrem ersten Tullner Neujahrsempfang! „Zug um Zug“ haben wir soeben einen fröhlich zusammengestellten Außenblick zu unserer Stadt erhalten, die in erster Linie von ihren Menschen geprägt ist, um alles „auf Schiene“ zu halten.
Daher ist es mir eine besondere Freude vor Ihnen zu stehen und mich von ganzem Herzen für Ihr heutiges Erscheinen zu bedanken!
Ich habe vor Weihnachten bei meiner Antrittsrede als Bürgermeister im Gemeinderat gesagt, dass es in Zeiten wie diesen wichtig ist, enger zusammen zu stehen. Heute Abend wird dies im wahrsten Sinne des Wortes Wirklichkeit. Es macht mich stolz mit dieser Veranstaltung eine so hohe Resonanz erreicht zu haben, die alle Erwartungen übertrifft. Das gilt besonders für alle politischen Gruppierungen und daher freue ich mich, dass alle Parteien des Tullner Gemeinderates heute Abend vertreten sind. Mein Blick in die Menge zeigt mir, dass darüber hinaus wirklich ganz Tulln mit vielen Vertretern verschiedener Branchen, Unternehmen, Vereinen und Charakteren anwesend ist.
In der Funktion des Bürgermeisters von der Stadtgemeinde Tulln möchte ich nun mit meinen folgenden Worten, Ihr wertes Interesse ansprechen, um ab heute von hier aus eine gemeinsame Basis für Vertrauen, Verständnis und für eine optimale Kommunikation zu schaffen.
Wir alle haben gerade den Jahreswechsel gefeiert und blicken auf ein vergangenes 2009. Auch Tulln! Unsere Stadtgemeinde hat viel erlebt, sie ist gewachsen, hat sich weiterentwickelt, wurde verschönert und ausgebaut. Als Mann erlaube ich mir zu sagen: Sie ist eine echte Lady!
Ein solches „Juwel“ zu halten, ist wahrlich die Kunst der Liebe und des Muts. An Liebe hat es nie gefehlt. Jetzt ist es Zeit für den Mut!
In aller Ehrlichkeit ist zu sagen, dass es um den Mut geht, das Wachstum zu entschleunigen und dennoch der Weiterentwicklung eine Chance zu geben. Dass wir Tulln, unser Juwel, durch gutes Abwägen des Finanzhaushaltes schützen und natürlich geht es um das soziale Miteinander.
Lassen Sie mich dazu auf die einzelnen Punkte näher eingehen:
Unsere Stadtgemeinde ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen, viele sagen sogar zu stark gewachsen. Daher soll Tulln eine Stadt sein, die überschaubar bleibt. In vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern wurde dieser Wunsch artikuliert. Es ist eine oberste Priorität gegen eine zunehmende Anonymität zu wirken. Zu einer Äußerung wie „Mein Nachbar heißt Nachbar“ darf es nie kommen. Davor hat sich eine vernünftige Politik zur Integration aller Zugezogenen sowie eine großzügige Vereinsförderung zu stellen. Es gilt die echten Grundbedürfnisse, die so genannten täglichen Sorgen der Menschen in dieser Stadtgemeinde in den Vordergrund zu bringen. Dazu braucht es das sprichwörtliche ernst gemeinte „offene Ohr“ ganz speziell von Ihrem Bürgermeister. Dazu komme ich übrigens später noch genauer.
3.700 Zugezogene in den letzten 5 Jahren lassen uns wissen wie attraktiv Tulln ist. Die Grenzen einer städtischen Infrastruktur sind jedoch schnell erreicht, wenn wir unseren Erholungsraum dem Wohnbau überlassen, denn auf Dauer kann weder Qualität noch geeignetes Angebot mit rasantem Wachstum mithalten.
Mein Weg wird also ein ehrlicher sein für Zuzug nach Möglichkeit und nicht alle Möglichkeiten für den Zuzug. Konkret bedeutet dies, dass die derzeit in Bau befindlichen 196 Wohnungen fertiggestellt werden und die bereits gewidmeten Flächen als Bauland zur Verfügung stehen. Die Neuwidmung von Flächen in Bauland wird sehr restriktiv sein und in naher Zukunft nur im Komponistenviertel in erster Linie für Einfamlien- und Reihenhäuser erfolgen. Ich sehe darin eine Leitlinie realisiert, die Angefangenes finalisiert und so mehr Raum und Zeit für eine gewisse Konsolidierung schafft. Als Bürgermeister der Stadt Tulln gehe ich damit natürlich neue Wege, für viele möglicherweise auch überraschende!
Ich bekenne mich zu den Großprojekten der Vergangenheit, diese haben Tulln wahrlich zu einer Vorzeigestadt in Niederösterreich gemacht. Heute stehen wir allerdings in bewegten Zeiten. Die globale Wirtschaft mit allen Konsequenzen hat vor Tulln nicht halt gemacht. Lassen Sie es mich genau auf den Punkt bringen: Die Phase eines expansiven Investierens in Großprojekte ist abgeschlossen! Eine neue Phase des Wachstums beginnt! Es gilt die Qualität des Vorhanden für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger zu sicher und zu heben. Die Silbermedaille für unsere hohe Lebensqualität haben wir bei dem weltweiten Wettbewerb für lebenswerte Gemeinden, dem International Award for Liveable Communities, bereits gewonnen! Die Goldmedaille ist unser Ziel!
In den vergangenen Jahren wurden nachhaltige Werte geschaffen, das waren sinnvolle Handlungen für folgende Generationen. Dieses Erbe hat das Leben in dieser Stadt erneut gesichert, intensiviert und orientiert.
Die Begeisterung über ihre Stadtgemeinde ist bei vielen spürbar und spornt so manchen besonders an, wie übrigens 42 Staats-, 12 Europameister, 5 Plätze bei Weltmeisterschaften und zwei Olympiastarts mit sportlichen Höchstleistungen aus Tulln im vergangenen Jahr beweisen! Aber nicht nur unsere Sportler erbringen Topleistungen, auch die rund 1.200 Betriebe bzw. Unternehmer mit ihren über 9.000 Mitarbeitern stützen uns maßgeblich. Und in der Freizeit sorgen die vielen Vereine für den passenden Schulterschluss.
Mit so viel Elan kommen wir aus der Krise heraus und ich bin sicher, wir werden wieder die erforderlichen finanziellen Ressourcen herstellen. Und ich weiß, dass die Tullner Bürgerinnen und Bürger längst verstanden haben, dass die ebenso wichtigen Investitionen in Bürgernähe nichts kosten müssen. Sie haben mein verpflichtendes Wort, dass Sie auf mein volles Engagement zählen können, wenn es um Ihre ganz persönlichen Belange geht. Kosten werden dafür aus meiner privaten „Energie-Schatulle“ übernommen in Werten wie Zuhören, miteinander Reden, gemeinsame Zeit und Schaffen von Lösungen. Greifen Sie also gerne zu!!!
Sehr geehrte Gäste,
Tulln ist eine lebenswerte Stadt.
Das Bild ist sehr deutlich: Es ist keine typische Kleinstadt, sondern eine Siedlung im urbanen Ballungsraum, zwischen Tradition und Modernisierungsspitze. Tulln ist mit 5.400 Bewohnern, die jünger als 30 sind, eine junge Stadt in der man auch alt werden kann, was unsere drei über 100 Jahre alten Mitbürgerinnen beweisen. Gleichzeitig weisen unsere Sozialkapital-Dimensionen hohe Werte auf – die Vertrauensbasis untereinander und miteinander ist verlässlich.
Deshalb möchte ich genau diese Basis nutzen, um sie aufzubauen und zu verteidigen. Dazu brauche ich Ihre Hilfe. In den nächsten Wochen suche ich dafür so wie heute bewusst unseren Dialog: „Ich gehe auf Tour“, die ich Offenes-Ohr-Tour nenne und mit der ich Sie und viele andere Mitbürgerinnen und Mitbürger ganz persönlich erreichen möchte. Nutzen Sie gerne die Gelegenheit und geben Sie mir Ihre Offenheit zum gemeinsamen Gespräch – ich bin bereit zu hören was Sie bewegt. Die Resonanz dieser Tour soll uns ins Jahr 2010 tragen, wo natürlich weitere konkrete Herausforderungen warten.
Zu nennen sind dabei beispielhaft folgende fünf Punkte:
1) Wir werden die bestehende Gemeindeinfrastruktur weiter verbessern. Zum einen durch die Inbetriebnahme der neuen Kläranlage und zum anderen durch Investitionen in unseren Wohnvierteln. Anstatt zusätzlicher Straßen in neue Wohngebiete, sollen die Straßen in bestehenden Stadtteilen verbessert werden. Ich denke dabei heuer beispielsweise an die Mühlbachgasse, an die Königstetter Straße stadteinwärts der Kleinen Tulln, an den zweiten Bauabschnitt der Ortseinfahrt in Langenlebarn sowie an die Ortsdurchfahrt in Mollersdorf. Ich denke an die rasche Verbesserung der Straßenbeleuchtung insbesondere in den älteren Teilen der Stadt wie im Langenlebarnerviertel. Ich denke bei diesem Punkt auch an die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch einen Kreisverkehr an der Kreuzung Feldgasse/Bahnhofstraße/Rochungsgasse.
2) Wir werden heuer die Pläne für den Umbau des Hallenbades komplett fixieren, damit das Jahr 2012 ein realistischer Termin für eine Neueröffnung ist.
3) Wir schaffen neue Arbeitsplätze vor Ort. Das ist ein entscheidender Punkt für die finanzielle und wirtschaftliche Autonomie unserer Stadtgemeinde sowie für die Lebensqualität. Unsere stärkste Karte kommt dabei - wie so oft - aus dem Bildungs- und Forschungsbereich. Das magische Dreieck Universität, IFA und Technologiezentrum, wird neue Betriebe anziehen und damit positive Effekte auch für bestehende Unternehmen setzen.
4) Wir werden heuer konkret planen, dass ein Vier-Stern-Hotel am Areal des alten Feuerwehrschule gebaut wird. Wir sind mitten in den Verhandlungen mit den Errichtern und Betreibern.
5) Wir werden ein neues Jugendzentrums errichten und dieses am ehemaligen Standort der Bezirksstelle des Roten-Kreuzes optimal gestalten, um allen Jugendlichen ungeachtet der sozialen Herkunft einen Ort der Begegnung und mit anderen und mit dem Leben in der Gemeinschaft an sich zu bieten.
Um alle wartenden Aufgaben zu bearbeiten habe ich höchste Motivation und konkrete Vorstellungen. Selbstverständlich gehe ich nun in die Umsetzung ohne Ablenkung oder Ballast. Daher habe ich nahezu alle meine bisherigen Funktionen und Ämter abgegeben und bin nun ausschließlich Ihr Bürgermeister, der Obmann der Tullner Volkspartei sowie Schulleiter. Diese verbliebenen Positionen führe ich für Tulln, mit klaren Entscheidungen und präsentiere damit meine kompromisslose Haltung für einen sehr verantwortungsvollen Aufgabenbereich, dem ich mich moralisch verpflichtet fühle.
Sehr verehrte Neujahrsgäste!
Es gibt so viele Facetten und Geschichten dieser Stadt, so viel Geschichte und Tradition, jede Menge Meinungen und Möglichkeiten. Ich lade Sie alle ein diese Vielfältigkeit zu leben. Dazu soll auch dieser Abend dienen. Es soll ein echtes Schwungnehmen sein für unsere nächste Dekade.
Ein Bürgermeister meistert nicht von oben, sondern ist Teil der Gemeinde. In diesem Sinne tauche ich nun wieder in das Bad der Freude und der Feier. Ich bin daran sehr interessiert, mit möglichst vielen von Ihnen heute Abend zu reden und dann freue ich mich auf ein Gespräch im Rahmen meiner „Offenen-Ohr-Tour. Es ist mir wichtig, mit Ihnen gemeinsam Schwung zu nehmen!
Ich erlaube mir Ihnen meine besten Wünsche für Ihr persönliches 2010 zu übermitteln, mit Zuversicht und Gesundheit.
Für Tulln wird es ein Jahr neuer Wege, neuer Entscheidungen und neuer Begegnungen .Ich begrüße daher das Jahr 2010 mit Ihnen gemeinsam und wünsche Ihnen einen schönen Abend.
Vielen Dank.



