1. Tullner Zukunftsforum: ein voller Erfolg

28. Jan. 2011

„Das 1. Tullner Zukunftsforum war voll positiver Resonanz. 300 Gäste am Vormittag und 300 Gäste am
Nachmittag haben gemeinsam mit den 4 hochkarätigen Experten über den tagespolitischen Tellerrand
gesehen, gesamtgesellschaftliche Themen beleuchtet und diskutiert. Ich freue mich schon auf das 2.
Tullner Zukunftsforum am 27. Jänner 2012“, so der Initiator, Bürgermeister und HAK-Direktor Mag. Peter
Eisenschenk begeistert am Ende des von der HAK/HAS Tulln in Kooperation mit der Stadtgemeinde
organisierten Zukunftsforums. Mathematiker Rudolf Taschner, Bevölkerungswissenschaftler Rainer
Münz, Genetiker Markus Hengstschläger und Finanzminister Josef Pröll gaben eindrucksvolle Einblicke
in ihre Fachgebiete und blickten mit den Teilnehmern in die Zukunft unseres Landes und der Welt.

Taschner, Münz: Gerechtigkeit und Bevölkerungsentwicklung
Ist Gerechtigkeit in der Natur begründet oder bloße Illusion? Welche Bedeutung hat der Begriff für die Entwicklung von Individuen bzw. einer Gesellschaft? Wie kann man sie messen? Kann sie vom Staat reglementiert oder nur individuell begründet werden? Rund um diese Fragen zeichnete Mathematiker Univ.-Prof. Dr. Rudolf Taschner die Idee der Gerechtigkeit und deren Entwicklung im historischen Kontext. Der Bogen der Beispiele spannte sich von der Götterwelt des Altertums über die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die französische Revolution bis hin zur 68er-Bewegung und der gegenwärtigen
Forderung nach gleicher Bildung für alle. „Gerechtigkeit siegt – aber nur im Film“ ist die Konklusio von Taschners Vortrag und zugleich der Titel seines neuen Buches, das im März 2011 auf den Markt kommt.

Bevölkerungswissenschaftler und Mitglied der EU-Reflexionsgruppe „Horizont 2020-2030“ Univ.-Prof. Dr.
Rainer Münz beleuchtete die Ursachen und Konsequenzen einer ergrauenden Gesellschaft. Der Lebensstandard in einer alternden, mehr und mehr kinderlosen Gesellschaft lässt sich nur durch Methoden wie z.B. intelligentes Schrumpfen, Wachstum durch Erweiterung, Förderung qualifizierter Zuwanderung,
Anhebung des Pensionsalters, Abbau von Staatsschulden erhalten. Diese von der Wissenschaft empfohlenen Lösungen würden aber fatalerweise öfter als Problem denn als Lösung betrachtet. „Statt an praktischen Lösungen zu arbeiten und die persönlichen Einstellungen zur Lebensarbeitszeit bzw. zur Pension
zu überdenken, verliert man sich oft in ideologischen Betrachtungen“, so Münz.

Pröll, Hengstschläger: Kleines Land mit großen Chancen und Zukunft durch Vielfalt
Finanzminister Josef Pröll: „Wir haben die internationale Krise erfolgreich gemeistert und haben allen Grund jetzt selbstbewusst und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Österreich ist ein kleines Land mit großen Chancen. Beispiele dafür gibt es zu Genüge. Die Grundlage für den Aufschwung im Jahr 2011 haben wir mit dem Budget gelegt, denn eine stabile Budgetpolitik ist Grundvoraussetzung für Wachstum und Beschäftigung.“ Darüber hinaus müsse man in Zukunft vermehrt über den Tellerrand blicken nach Europa und zu den Wachstumspolen auf der ganzen Welt. „Um unsere hervorragende Position halten und ausbauen zu können, braucht es auch weiterhin die Bereitschaft zu tiefgreifenden Reformen in unserem Land. Und es braucht Mut, um die richtigen Maßnahmen jetzt zu setzen - zum Beispiel bei der Bildung und im Bereich der Pensionen.“

Am Anfang des Vortrags von Genetiker Univ.-Prof. Markus Hengstschläger stand die Frage, wie man Probleme lösen kann, von denen man heute noch gar nicht weiß, dass sie in Zukunft auf einen zukommen werden. Die einzige Lösung sieht der Wissenschafter in der Förderung der Individualität und der Nutzung der persönlichen Talente jedes Einzelnen im Team. Die Vielfalt, das Zulassen und Lernen von Neuem, der Fokus auf Stärken und das Verbinden von Talenten im Team sei die einzige Chance bei der Bewältigung von Herausforderungen für unsere Zukunft. „Länder und Gesellschaften, die sich verschließen, werden sterben. Migration ist Teil der Evolution“, so Hengstschläger, der auch Mitglied des Rates für Forschung und Technologie-Entwicklung ist. Grundlagenforschung, die nicht die Kosten- /Nutzen-Frage stellt und angewandte Forschung mit Fokus auf die Umsetzung dieser Erkenntnisse seien einander ergänzende Disziplinen. „Beide müssen bedingungslos gefördert werden, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft lösen wollen.“

Zukunftsschule HAK/HAS Tulln – Wissensstandort Tulln
Mit dem 1. Tullner Zukunftsforum bot die HAK/HAS Tulln ihren Schülern und der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit der bewussten Auseinandersetzung mit aktuellen Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft, die unsere Zukunft nachhaltig prägen werden. Direktor Mag. Peter Eisenschenk: „Eine aktive Schule ist selbst agierender Teil der Weiterentwicklung der Gesellschaft. Die HAK/HAS Tulln sieht sich als eine moderne Institution, die eine Basis für persönliche Reife und Interesse an zukunftsweisenden Themen schafft. Bei uns wird - über die wirtschaftliche Ausbildung hinaus – ganzheitliches Denken für gesellschaftlich verantwortliches Handeln angeregt und Weltoffenheit gefördert. Die Schüler sind so als selbstbewusste und kritische Bürger für die Zukunft bestens gerüstet.“

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Schulerhalter Stadtgemeinde Tulln statt. „Das 1. Tullner
Zukunftsform ist darüber hinaus ein Mosaikstein auf dem Weg zum Wissensstandort Tulln. Als NÖ Bezirkshauptstadt haben wir in den letzten 20 Jahren massiv in den Biotech-Campus Tulln investiert. Im Herbst 2011 öffnet das Universitäts- und Forschungszentrum Tulln (UFT) seine Pforten. Wir haben unsere Weichen Richtung Wissensgesellschaft der Zukunft gestellt“, meint Mag. Peter Eisenschenk in seiner Funktion als Tullner Bürgermeister. Im UFT werden sich bis zu 350 Forscher der Universität für Bodenkultur (BOKU) und des Austrian Research Institute of Technology (AIT, vormals Seibersdorf) mit den Bereichen erneuerbare Ressourcen, den Bioressourcen Boden, Pflanzen, Mikroorganismen sowie biobasierte Technologien befassen.